AnfAi??nger/Meister

Juni 14th, 2010 Kommentare deaktiviert

Was haben Anfänger und Meister gemeinsam?
Günter Touschek

Mir ist bewusst geworden, dass es in unserer Gesellschaft wenige "wirkliche" Anfänger gibt. Die meisten Menschen, die ein Instrument oder auch singen lernen wollen, haben vor ihrem Start bereits einen großen Rucksack an Blockaden mit, der mitunter schwer hinunterzieht: "Ich kann nicht singen", "ich bin unmusikalisch", ich habe eigentlich gar kein Rhythmusgefühl", "ich bin untalentiert", sind die ersten Sätze, mit denen manch AnfängerIn in ihren ersten Unterricht kommt.

Dabei wäre es so einfach.
Anfänger haben alle Möglichkeiten, dürfen alles tun, sind unverbildet, wissen nichts von harmonisch und auch nicht von richtig und falsch, oder?

Meister haben auch alle Möglichkeiten: Sie haben jahrelang Technik und Harmonielehre gelernt, praktiziert um es irgendwann wieder zu vergessen und frei spielen zu können. Ein Jazzmusiker spielt oft ganz bewusst aus einem harmonischen Gefüge hinaus, in eine Skala, die vordergründig nicht zum Hintergrund passt. Das Publikum nimmt das dann oft wahr als: besonders innovativ, extrem geil…

Ein Kind geht auf ein Instrument zu, will wissen ob ihm der Ton, der rauskommt mal gefällt, weiters wie man laut und leise spielen kann, wie man Töne varieren kann, ohne sich darum zu kümmern, ob das nun richtig oder falsch ist.

Alles klar, auf diese Weise wird man natürlich nicht grade die Chopin Preludes spielen. Ich denke aber, dass Musik, die frei von Bewertung ist und ohne Stress funktioniert ebenso wichtig ist wie Musik, die Lernende vor große Herausforderungen stellt. Musizieren nach inneren Bildern, Stimmungen, Themen kann den Zugang zur inneren Kraft und Weisheit öffnen. Freies Tönen und Bewegen setzt im Körper nachgewiesener Weise Endorphine, Glückshormone frei.

Höchstleistungen sind toll, jeder sieht und hört sie sich gerne an. Der ganz natürliche Zugang zu Musik und Tanz steckt aber in jedem Menschen. Schön, dass ich immer wieder Menschen begleiten darf, die diesen Zugang in sich entdecken und sich ein Stück Lebensfreude und Qualität zurückholen.


 

  • "Jenseits von Richtig und Falsch gibt es ein weites Feld. Dort will ich Dir begegnen." Rumi